Musik der Renaissance - für bis zu 40 Stimmen

Musik der Renaissance - für bis zu 40 Stimmen

Musik der Renaissance - für bis zu 40 Stimmen

Sonntag, 24. Mai 2026, 18:00 Uhr
Pauluskirche, Hindenburgdamm 101a, 12203 Berlin
Thomas-Selle-Vokalensemble u.a.; Leitung Kai Schulze-Forster

Zu Gast bei Paulus:
Thomas-Selle-Vokalensemble und Gäste
Instrumentalisten auf historischen Instrumenten
Leitung: Kai Schulze-Forster

Kompositionen von
A. Striggio, H. Schütz, A. Gabrieli und J. Desprez

Eintritt frei – Spenden werden erbeten

Zum Programm:

Prachtentfaltung in der Musik kann sich in der Besetzung ausdrücken: Vielstimmigkeit zum Lob eines Fürsten, zu einem besonderen Anlass, um sich als kunstfertiger Komponist zu zeigen oder zum Lob Gottes. Kompositionen mit bis zu 40 Stimmen sind am Pfingstsonntag in der Pauluskirche zu hören. Solche Musik ist „live“ nur sehr selten zu erleben. Um dieses Konzert zu ermöglichen, hat das Thomas-Selle-Vokalensemble Berlin Freunde und Gäste eingeladen. Der Klang wird bereichert durch Instrumentalisten auf historischen Instrumenten, die teilweise aus Belgien und England anreisen.

Das Hauptwerk des Konzerts ist die 40-stimmige Messe Ecco sì beato giorno von Alessando Striggio (1540-1592). Diese Messe galt lange als verschollen; ihre Existenz war nur aus zeitgenössischen Quellen bekannt; außerdem gibt es Belege für Aufführungen in München und Paris im Jahr 1567. Erst 2007 wurden die Stimmbücher in Paris wiederentdeckt, 2010 folgte eine Neuedition. Die 40 Stimmen dieser ungewöhnlichen Messe sind auf fünf Chöre zu je acht Stimmen aufgeteilt, die nacheinander eingeführt werden. 

Der Kanon als musikalische Form wurde in allen Musikepochen gepflegt. Er garantiert die kontrapunktische Gleichwertigkeit aller Stimmen. Die Kanonmotette Qui habitat von Josquin Desprez (1450-1521) gehört sicherlich zu den bemerkenswertesten Stücken der Renaissance. Jede der vier Stimmgruppen bildet einen eigenen sechsstimmigen Kanon, sodass sich ein 24-stimmiger Quadrupel-Kanon ergibt. Wie in einer Kaskade setzen die Stimmen nacheinander vom ersten Sopran bis zum sechsten Bass ein. Es entsteht ein Klangraum ähnlich Glockengeläut, in dem es Josquin nicht mehr auf die Textverständlichkeit des 91. Psalms angekommen sein kann. Klanglich schließt sich hier ein Kreis zu experimentellen Kompositionen der Gegenwart und Minimal Music. 

Abgerundet wird das Konzert durch ebenfalls vielstimmige Instrumentalmusik der Renaissance.

Kai Schulze-Forster

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