06/02/2026 0 Kommentare
Ökumenisches Klimagebet (online)
Ökumenisches Klimagebet (online)

Liebe Mitwirkende und Interessierte an den Ökumenischen Klimagebeten,
herzliche Einladung zu unserem nächsten Klimagebet (online). Der Zugang zum Online – Klimagebet ist weiterhin über den folgenden Link möglich:
https://zoom.us/j/92055458883?...
Das Anklicken des Links genügt in der Regel. Hier noch Meeting-ID und Kenncode, sollten Sie diese Angaben ausnahmsweise doch benötigen:
Meeting-ID: 920 5545 8883
Kenncode: 849811
Wir nähern uns der Fastenzeit und damit auch dem „Klimafasten“ (www.klimafasten.de), das in diesem Jahr unter dem „Motto“ steht: „Genug ist genug“.
Die Begriffe „Fasten“ und „Fastenzeit“ lösen bei vielen Menschen nicht gerade positive Assoziationen aus – für den Begriff Klimafasten dürfte das erst recht gelten. Es klingt nach Verzicht, Einschränkung, Stagnation, Verlust, Rückschritt. Und wer will das schon? Wir wollen doch wachsen, und nicht schrumpfen. Und vielleicht stimmt es, dass dieser Wunsch dem Menschen „von Natur aus“ eigen ist. (Ganz sicher bin ich mir auch damit allerdings nicht. Gibt es nicht auch Gegenbeispiele?)
Aber die entscheidende Frage, die auch dann bleibt, wenn man diese Grundannahme zur „menschlichen Natur“ teilt, ist doch die, welches Wachstum gemeint ist. Wir sind so daran gewöhnt (bzw. daran gewöhnt worden), den Begriff des „Wachstums“ gleichzusetzen mit dem Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP), dass es schwerfällt, diese Gleichsetzung zu durchbrechen und Wachstum unabhängig vom BIP für möglich zu halten. Und gleichzeitig wissen wir doch längst, dass uns die einseitigeFixierung auf diese Form des Wachstums weit über viele (die meisten) planetaren Grenzen herausgeführt und dadurch schon jetzt viel Leid, Zerstörung und Verlust verursacht hat.
Die Vorstellung eines grenzenlosen (meinetwegen auch „grünen“) „Wachstums“, ohne an anderer Stelle einen Preis in Form von Einbußen zahlen zu müssen, scheint mir eine Lebenslüge zu sein, über die wir kaum hinwegkommen.
Vielleicht sollten wir diese Fastenzeit, und speziell auch das „Klimafasten“ dafür nutzen, primär nicht über Verzicht und Einschränkungen nachzudenken, sondern über ein alternatives Verständnis von Wachstum. Und vielleicht verliert dadurch das (im übertragenen wie im Wortsinn) jedenfalls teilweise toxische Starren auf das BIP - Wachstum an Bedeutung und „Anziehungskraft“.
Wie so oft in letzter Zeit denke ich auch hier wieder, dass Franz von Assisi ein Vorbild sein könnte. Natürlich kann man sagen, dass er – sogar in extremer Weise – asketisch gelebt und auf materielle Güter verzichtet hat. Aber das wird für ihn kein Selbstzweck, kein Verzichten um des Verzichtens willen, oder gar ein Akt der Selbstschädigung gewesen sein. Vielmehr war für Franz von Assisi der Verzicht (der Verzicht auf Privilegien, gesellschaftliche Stellung, auf Besitz etc.) ein Mittel zum Zweck: Der Verzicht auf diese Dinge erst ermöglichte es ihm, sich für das zu öffnen, was er (in den ihm zugeschriebenen eigenen Worten) wirklich wollte – und darin dann auch zu wachsen. Insofern war der „Verzicht“ kein Verlust, sondern ein Gewinn, und auch ein Gewinn an Freiheit.
Vielleicht wird uns erst jetzt wirklich (oder vielleicht auch nur neu und mit größerer Dringlichkeit) die Realität der Grenzen des Wachstums bewusst, die der Club of Rome schon 1972 aufgezeigt hat. Wenn wir aber zugleich Wesen sind, die sich weiterentwickeln, und in diesem Sinne auch wachsen wollen, wird die vordringliche Aufgabe, vor der wir heute stehen, sein zu fragen, in welche Richtung wir uns entwickeln wollen, was das Ziel unseres Wachstums sein soll, und welchen überflüssigen und hinderlichen Ballast wir dafür abzustoßen bereit sind. Solchen Fragen nachzugehen: Dafür ist die Fastenzeit und gerade auch das Klimafasten genau die richtige Zeit.
Das Festhalten an einem eindimensionalen Wachstumsbegriff demgegenüber, der mit fortschreitenden Emissionen und fortschreitendem Ressourcenverbrauch verbunden ist, wird mit dem dauerhaften Fortbestand des Lebens auf der uns anvertrauten Erde nicht vereinbar sein. Es ist daher auch fast kein Wunder mehr (dennoch aber auch äußerst beunruhigend zu sehen), dass in bestimmten Kreisen von Menschen, die sich selbst für eine „wissende Elite“ halten, zunehmend Phantasien eine Rolle zu spielen scheinen, ins Weltall auszuweichen bzw. – wie Friedrich Dürrenmatt in seinem „Weltaltpsalm“ (in den „Physikern“) formuliert hat: Ins Weltall „abzuhauen“.
Herzliche Grüße
Michael Börgers
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