20/04/2026 0 Kommentare
Ökumenisches Klimagebet in der Petruskirche
Ökumenisches Klimagebet in der Petruskirche

Die Ökumenische Initiative Lichterfelde-West lädt ein zum nächsten Klimagebet. Hier die Einladung von Michael Börgers im Wortlaut:
Liebe Mitwirkende und Interessierte an den Ökumenischen Klimagebeten,
Spätestens seit den atemberaubenden genozidalen Vernichtungsphantasien gegenüber dem Iran (wohlgemerkt: gegenüber dem Iran, nicht gegenüber dem den Iran beherrschenden Regime) und der blasphemischen Selbstinszenierung als Jesus wird Immer öfter, immer offener die Frage erörtert, ob Donald Trump inzwischen die Grenze zur medizinisch diagnostizierbaren Geisteskrankheit überschritten hat. Natürlich können wir das nicht beurteilen, aber allein die Tatsache, dass es diskutiert wird, und dass man wohl aus Laiensicht und dem äußeren Anschein nach zumindest sagen muss: Unplausibel kommt einem die Annahme nicht vor, ist – wenn man bedenkt, dass wir es hier mit dem mächtigsten Menschen der Welt zu tun haben – beunruhigend genug.
Womöglich noch beunruhigender aber ist der Blick auf die möglichen (politischen) „Erben“ Trumps, dessen Präsidentschaft vielleicht ihren „Kipppunkt“ schon erreicht oder überschritten hat. Der Gedanke an Geisteskrankheit im medizinischen Sinne kommt bei ihnen möglicherweise nicht auf, aber vielleicht sind sie gerade deshalb noch gefährlicher.
Der zum Katholizismus konvertierte JD Vance reagierte auf die wüsten Ausfälligkeiten Trumps gegen Papst Leo (auf die dieser ruhig und besonnen reagierte), indem er dem Papst riet, „vorsichtiger“ zu sein. Die Kirche solle sich nicht in die Politik einmischen, sondern auf „Fragen der Moral“ beschränken. (Ganz so, als wäre Politik ein „moralfreier Raum“.) Wenn man bedenkt, wie hemmungslos die MAGA – Bewegung Religion für ihre ideologischen Zwecke missbraucht, kann man dies nicht als ernsthaften Beitrag zu der ja berechtigten und wichtigen Debatte ansehen, wie politisch Christinnen und Christen bzw. die Kirchen sein dürfen, sollen oder müssen. Die Mahnung JD Vance zur Vorsicht erinnert eher an einen Mafioso, der Menschen, die ihm in die Quere kommen könnten, eine als „guten Ratschlag“ verpackte Drohung zukommen lässt.
Die ernsthaft zu stellende Frage nach dem Verhältnis von Glauben bzw. Religion und Kirchen zur Politik ist damit natürlich nicht beantwortet. Sie muss sich auch für uns stellen, wenn wir schon im Namen ein politisch so „aufgeladenes“ Thema wie den Klimaschutz in Verbindung zum Gebet bringen. Aber sollen sich Christinnen und Christen aus einem solchen Thema – weil „zu politisch“ – wirklich ganz heraushalten, oder dürfen (bzw. sollten) sie dazu nicht als Christinnen und Christen, sondern nur als Staatsbürgerinnen und Staatsbürger Stellung nehmen? Das kommt mir nach wie vor absurd vor. Wenn wir unseren Schöpfungsglauben ernst nehmen wollen, können wir nicht ausblenden, in welchem Maße Schöpfung durch unsere Lebensweisen bedroht, geschädigt und vernichtet wird, und dann müssen wir darauf auch in irgendeiner Weise reagieren. Dass Zurückhaltung (oder meinetwegen auch „Vorsicht“) geboten ist, leuchtet ein, wenn kirchliche Autoritäten sich unter Inanspruchnahme ihrer Autorität und unter Berufung auf letztgültige (Glaubens-) Wahrheiten zu politischen Fragen äußern. Das bedeutet meiner Ansicht nach allerdings nicht, dass solche Äußerungen ganz generell unterbleiben sollten. In manchen Fällen scheinen sie mir sogar geradezu dringend notwendig zu sein, so bei den Stellungnahmen dieses Papstes und seines Vorgängers gegen die Todesstrafe, gegen die Leugnung von Tatsachen zum Klimawandel und gegen Untätigkeit und Gleichgültigkeit angesichts vielfältiger Umweltzerstörungen, aktuell aber auch bei der deutlichen Positionierung Papst Leos im Zusammenhang mit dem Irankrieg, z.B. gegen Angriffe auf zivile Infrastruktur und gegen „Allmachtsfantasien“, maßlose Gewaltandrohungen und Vernichtungsfantasien gegen das iranische Volk und seine Kultur, und letztlich für eine Beendigung des Kriegs und die Rückkehr zum Dialog.
Herzliche Grüße
Michael Börgers
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