Ökumenisches Klimagebet

Ökumenisches Klimagebet

Ökumenisches Klimagebet

Mittwoch, 24. Juni 2026, 18:00 Uhr
s. Beschreibung, Hindenburgdamm 0, 12203 Berlin
Michael Börgers

Die Ökumenische Initiative Lichterfelde-West lädt zum nächsten Klimagebet ein. 

Es findet in der Eben - Ezer – Gemeinde, Celsiusstraße 36, 12207 Berlin statt.

Hier zur Einladung von Michael Börgers:

Wer oder was ist hauptverantwortlich für die Klimakrise und für die zahlreichen anderen Krisen der planetaren Grenzen, mit denen wir es gegenwärtig zu tun haben? Diese Frage hat ihre Berechtigung. Denn wenn wir diese Krisen bewältigen oder jedenfalls noch so weit wie möglich abmildern wollen, ist die Suche nach Ursachen natürlich entscheidend. Aber in der Realität erleben wir die Suche nach Verantwortlichen doch häufig eher als eine Art blame game – als fieberhafte Suche nach dem Splitter im Auge des anderen. Und das ist nicht

produktiv und lösungsorientiert, sondern führt nur zu Stillstand.

Das blame game zu durchbrechen und dennoch Verantwortlichkeiten klar zu benennen, ist alles andere als einfach und erfordert nicht weniger, sondern mehr Differenzierung. Die Lösung kann nicht sein, die Suche nach und Gewichtung von Verursachungsanteilen ganz aufzugeben. Denn

fast alle „Schuldzuweisungen“ im blame game haben gewissermaßen ihren „wahren Kern“:

So ist ja gar nicht ganz von der Hand zu weisen, dass individuelle Verhaltensänderungen nichts bewirken können, wenn grundlegende politische Veränderungen ausbleiben. Aber umgekehrt gilt auch: Ohne die Bereitschaft der Einzelnen, grundlegende Veränderungen auch individuell „mitzutragen“, wird sich die Politik nicht bewegen. Und so kann man immer wechselseitig und mit mehr oder weniger Berechtigung auf „die“ Politik, „die“ Verbraucherinnen und Verbraucher, auf das Bevölkerungswachstum, China, die USA, den

Ukraine- und den Irankrieg, eine vermeintlich unabänderliche menschliche Natur, oder worauf auch immer verweisen.


Immer häufiger ist der Verweis auf den exorbitanten „Krisenbeitrag“ der Reichen und „Superreichen“. Und natürlich ist auch das völlig berechtigt. Auf den engen Zusammenhang zwischen ökologischen und sozialen Krisen hat nicht zuletzt Papst Franziskus immer wieder hingewiesen, und auch Papst Leo verweist auf diesen Zusammenhang. Es ist nicht nur eine „gefühlte Wahrheit“, sondern eine durch viele Studien belegte Tatsache, dass nicht nur Einkommen und Vermögen weltweit extrem ungleich verteilt sind, sondern (dazu

korrespondierend) auch die Beiträge zum Klimawandel und zur Überschreitung sonstiger planetarer Grenzen.

Aber was das konkret bedeutet für die weltweite Verteilung von Verantwortlichkeiten, hängt stark von der Perspektive ab, die man einnimmt. Am ehesten lässt sich sagen, dass die (einkommens- und vermögensmäßig) ärmere Hälfte der Weltbevölkerung nicht oder jedenfalls nicht in signifikanter Weise zu diesen Problemen beiträgt. So wird der Beitrag dieser Hälfte der Weltbevölkerung an den weltweiten menschengemachten CO2 – Emissionen mit ca. 7 % beziffert. Die schreiende Ungerechtigkeit, die uns eigentlich nicht

ruhig schlafen lassen sollte, besteht darin, dass der ärmere Teil der Menschheit vom Klimawandel häufig am stärksten betroffen ist und sich in der Regel am wenigsten davor schützen kann, ohne selbst einen relevanten Beitrag zur Entstehung des Problems zu leisten. Dort liegt die Verantwortlichkeit sicherlich nicht.

Aber wie ist es mit uns? Das ist wirklich eine Frage der Perspektive. Wir bevorzugen vielleicht den Blick auf die „Superreichen“ – sagen wir (eine genaue „Definition“ des Begriffs gibt es ja nicht) das reichste Prozent der Menschheit. Dieses reichste Prozent hatte nach Berechnungen von Oxfam im Jahre 2025 seinen „fairen Anteil an einem noch verträglichen Treibhausgasbudget“ bereits am 11. Januar dieses Jahres verbraucht. Nach einer Studie ebenfalls von Oxfam für das Jahr 2019 sind diese „Superreichen“ für 16 % der weltweiten CO– Emissionen verantwortlich gewesen. Noch krasser ist das Ungleichverhältnis, wenn wir auf die Milliardäre gucken (ungefähr 0,04 % der Weltbevölkerung. Wiederum einer Oxfam – Studie zufolge beträgt der durchschnittliche COVerbrauch pro Milliardär rund 1,9

Millionen Tonnen COpro Jahr, und damit in etwa 346.000 mal mehr als der Verbrauch einer durchschnittliche Person weltweit. Die 308 reichsten Milliardäre sollen 2024 zusammen 586 Millionen COemittiert haben, und damit mehr als die Gesamtemissionen von 118 Ländern.

Noch absurder wird es beim Blick auf den aktuell ersten und einzigen Billionär der Welt, Elon Musk. Laut Spiegel – „Klimabericht“ vom 19.06. 2025 stoßen allein seine (mindestens) zwei Privatjets 5.497 Tonnen COpro Jahr aus – „so viel, wie beim weltweiten Durchschnittsmensch in 834 Jahren anfiele“

Und wenn wir unsere Überlegungen hier enden lassen, fühlen wir uns vielleicht entlastet: Wir gehören immerhin nicht zu den Allerschlimmsten. Aber um die extreme globale Ungerechtigkeit zu erkennen, reicht es, die reichsten 10 % der Welt in den Blick zu nehmen.

Laut einer Studie von „Nature Climate Change“ von 2025 haben die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung zwei Drittel der Erderwärmung seit 1990 zu verantworten. Und eine aktuelle Studie beziffert die durch den Konsum der 10 % der Weltbevölkerung, die am meisten konsumieren, verursachten Umweltschäden auf zwischen 1,7 und 5,7 Billionen Dollar pro Jahr – das heißt umgerechnet pro Kopf zwischen 2.300 und 7.500 Dollar.

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir selbst zu dieser Gruppe gehören, ist hoch. (Ganz grob geschätzt gehört man ab einem Jahreseinkommen von rund 60.000 – 90.000 US – Dollar oder ab einem Nettovermögen von etwa 100.000 – 200.000 US – Dollar zu den oberen 10%.)

Es geht nicht darum, Schuldgefühle wegen unseres Wohlstandes bei sich selbst zu entwickeln oder gar bei anderen zu erzeugen. Aber dass wir angesichts der durch Zahlen belegten Fakten eine besondere und größere Verantwortung für unser Verhalten (einschließlich unseres privaten Konsumverhaltens) tragen, scheint doch ein naheliegender Gedanke (und kein unangemessenes „Moralisieren“) zu sein.

Herzliche Grüße

Michael Börgers

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