14/03/2026 0 Kommentare
Karfreitag: Passionsmusik der Bach-Familie
Karfreitag: Passionsmusik der Bach-Familie
# Musik bei Paulus

Karfreitag: Passionsmusik der Bach-Familie
Musik und Wort zur Sterbestunde –
Passionsmusik der Bach-Familie
Karfreitag, 03.April 2026
15.00 Uhr
Pauluskirche
Hindenburgdamm 101, 12203 Berlin-Lichterfelde
Wilhelm Friedemann Bach (1710-1784):
Fuge g-Moll
Choralvorspiel zu Jesu, meine Freude
Johann Michael Bach (1648-1694):
Das Blut Jesu Christi
Motette für fünfstimmigen Chor
Johann Christoph Bach (1642-1703):
Ach, dass ich Wasser's gnug hätte
Arie für Alt, Violine und b.c.
Johann Sebastian Bach (1685-1750):
Erbarme dich
Arie für Alt, Violine und b.c. aus der Matthäuspassion
Jesu, meine Freude
Motette für fünfstimmigen Chor
Laura Wittmann, Alt
Verena Faerber, Violine
Regine Zimmermann, Violoncello
Alain Brun-Cosme, Orgel
Pauluskantorei
Leitung und Orgel: Dr. Cordelia Miller
Biblische Lesung: Pfarrerin Dr Rebekka Luther
Informationen und Gedanken zum Programm
von unserer Kantorin Dr. Cordelia Miller:
"Zur Todesstunde Jesu werden wir einige der schönsten und ausdrucksstärksten kirchlichen Vokalwerke des Barock hören. Das Leiden und Sterben Jesu war eine Möglichkeit der Komponisten, im Hinblick auf den musikalischen Ausdruck von Schmerz und Trauer bis an die Grenzen des damals Erlaubten zu gehen.
In allen Generationen der weit verzweigten Musikerfamilie Bach gab es Komponisten, die die Passion Jesu in Chorwerken und Arien unter Einsatz ihres ganzen Könnens vertonten, darunter Johann Michael Bach, Sohn von Johann Sebastian Bachs Großonkel Heinrich Bach. Seine fünfstimmige Chormotette Das Blut Jesu Christi, in der er einen Vers aus dem 1. Johannesbrief vertont, steht in der Tradition von Heinrich Schütz' Motettenkunst, mit der die protestantischen Komponisten des 17. Jahrhunderts bestens vertraut waren.
Dagegen lässt sich die expressive, überraschend modern wirkende Alt-Arie Ach, dass ich Wasser's gnug hätte aus der Feder seines ältesten Bruders Johann Christoph nur schwer einordnen. Sie wirkt wie ein auskomponiertes Weinen.
Eine andere, weit berühmtere 'Tränen'-Arie ist Erbarme dich aus Johann Sebastian Bachs Matthäuspassion. Sie folgt im Evangelientext unmittelbar auf die Verleugnung des Petrus. Bachs musikalische Umsetzung von Petrus' bitterem Weinen im Wechselgesang zwischen Alt-Stimme und Solo-Violine rührt tatsächlich zu Tränen.
Ein wahres Wunderwerk der Motetten-Kunst ist Johann Sebastian Bachs Motette Jesu, meine Freude, die er vermutlich um 1735 anlässlich einer Trauerfeier komponierte. Das streng symmetrisch angelegte Werk besteht aus elf Chorsätzen in unterschiedlichster Besetzung und mit zwei Textebenen: Da sind zum einen die sechs Strophen aus dem bekannten Lied des brandenburgischen Dichters Johann Frank auf die kongeniale Melodie von Johann Crüger, die ganz in der pietistischen Tradition einen Hymnus der Jesusliebe anstimmen. Theologisch gestützt wird das Thema der Abkehr von Welt und Sünde und Hinwendung zu Jesus durch Verse aus dem 8. Kapitel des Römerbriefes. Das Nebeneinander von christlicher Dogmatik und persönlichem Glaubenserleben setzt Bach musikalisch auf vielfältige Weise um: Homophone vierstimmige Choralsätze alternieren mit fünfstimmigen virtuos-expressiven Variationensätzen, mit Duetten über einem gesungenen basso continuo und mit einem Quatuor, bei dem drei selbständige Stimmen die Choralmelodie umspielen.
Bach hat das Gemeindelied Jesu, meine Freude nicht nur für Chor bearbeitet, sondern auch für Orgel. Auch von seinem ältesten Sohn Wilhelm Friedemann ist ein Choralvorspiel überliefert. Während die Orgelimprovisationen des zu seiner Zeit berühmtesten deutschen Orgelvirtuosen als neuartig, virtuos, kontrast- und farbenreich beschrieben wurden, sind seine wenigen niedergeschriebenen Orgelwerke eher traditionell gehalten, im Sinne von Stilübungen. Der Geist einer neuen Zeit lässt sich hier nur an wenigen überraschenden Harmonien und musikalischen Wendungen erkennen."
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