"Haschen im Wind"? Andacht September 2026

"Haschen im Wind"? Andacht September 2026

"Haschen im Wind"? Andacht September 2026

# Monatsspruch

"Haschen im Wind"? Andacht September 2026

„Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen im Wind“ (Prediger 4,6) 

Ich male mir diese Gegenüberstellung bildlich aus: auf der einen Seite steht eine Person, die die Fäuste ballt. Anspannung ist zu spüren. Weit entfernt ist dieser Mensch, die eigenen Mühen loszulassen.  Auf der anderen Seite balanciert jemand „Ruhe“ in seiner Handfläche. Ruhe ist anfällig gegen Einflüsse von außen. Gar nicht so einfach, sie zu beschützen! 

Im Kapitel 4 des Predigers Salomo geht es um die grundlegende Frage: Will ich ein Mensch sein, der mühevoll dem „Eitlen“ nachjagt: dem Ansehen, der Beliebtheit, dem Reichtum? Finde ich dadurch zu mir (und zu Gott)? Oder muss ich das Loslassen lernen? Damit ich das Leben neu als Geschenk erfahren? 

Von Till Eulenspiegel wird folgende Geschichte erzählt: 
Eulenspiegel habe immer wieder den Klagen anderer zugehört, die erzählten, sie verlören bei ihren Geschäftsreisen so viel Zeit auf einer unwegsamen Straße, die sie nehmen müssten. Nach vielen Berichten machte sich Eulenspiegel auf den Weg. Sein Ziel: Die „verlorene Zeit“ der anderen an eben jener Straße zu suchen. Am benannten Ort angekommen, legte er sich auf die Wiese, blickte in den Himmel und wartete. So schlief er schließlich ein, träumte und erwachte eine ganze Weile später… und stellte beglückt fest: „Tatsächlich! So viel Zeit hatte er an diesem Ort gefunden!“

Wie passend ist diese Geschichte zur Gegenüberstellung des Monatsspruchs! Und wie schön, wenn jemand wie Eulenspiegel das Gottes-Geschenk von Lebenszeit neu erfährt! 

Auf der anderen Seite aber frage ich mich: Kann Ruhe das einzige Ziel sein?

Gerade in einem Monat, in dem es um Entscheidendes geht, wenn in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Berlin Wahlen anstehen. Ist jetzt nicht vielmehr dran, sich be-unruhigen zu lassen? Wenn christliche Werte und die Demokratie durch extreme Parteien bedroht werden?

Ist jetzt nicht „Mühen“ statt „Ruhe“ gefragt!?

So finde ich es hilfreich, dass nach unserem Monatsspruch in der Bibel noch ein Rat folgt: Wichtig ist es, die Gemeinschaft zu suchen, um die Hürden des Lebens gut zu nehmen. Denn dann können wir unsere Mühen teilen – auch unser so wichtiges politisches und gemeindliches Engagement! Und zugleich können wir dann darauf vertrauen: wenn ich selbst gerade den Moment brauche, „Ruhe“ in meiner Hand zu balancieren, dann werden bestimmt andere unsere gemeinsamen Mühen und Ziele tragen.    

Ihr Björn-Christoph Sellin-Reschke

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