15/07/2026 0 Kommentare
"Früher war mehr Lametta!“: Post von Anne Fränkle
"Früher war mehr Lametta!“: Post von Anne Fränkle
# Senioren

"Früher war mehr Lametta!“: Post von Anne Fränkle
"Früher war alles besser ... und mehr Lametta!"
Unter dieser wunderbar-einladenden Überschrift steht die Senioren-Post von Anne Fränkle im jüngsten Paulusbrief. Hier noch einmal Tiefgang und Humor von Anne in Gänze zum Nachlesen:
„Nostalgie ist die Sehnsucht nach dem Vergangenen, dem als besser vorgestellten
Früher", definiert Dr. Tobias Becker, Historiker an der FU Berlin. Dass ich den sehnsuchtsvollen „Retro-Blick“ liebe, das habe ich auf dieser Seite schon oft bewiesen und meine geschätzte Leserschaft mit einer „Rolle-rückwärts“ ins „Damals wars“ mitgenommen. Warum mir das gerade mit Ihnen/Dir so viel Vergnügen macht? Ganz klar, wir teilen doch viele gleiche Kindheits- und Jugenderinnerungen miteinander und …gemeinsam in Erinnerungen schwelgen ist einfach schön.
Denn wer erinnert sich schon daran, wie’s in den 50er/60er Jahren war? Na wir, wer sonst? Und wenn nicht hier, wo sonst?
Liebes „Damals war’s-Erinnerungskästchen“ öffne dich!
Mannoman, so ganz ungefährlich war unsere Nachkriegs-Großstadtkindheit ja nicht. Stimmt’s? Wir machten die Ruinen zu unseren Abenteuerspielplätzen, die Teppichklopfstangen zu unseren Klettergerüsten und hatten auch noch weitere (oft dumme) Ideen. Ja, Einfallsreichtum war damals – in jeder Beziehung – gefragt. Da gab es auch schon mal Ärger zu Hause. Auch, weil unsere Klamotten schmutzig waren. Schnell mal in die Waschmaschine stecken ging ja zu der Zeit nicht. Unsere berufstätigen Eltern machten uns zu „Schlüsselkindern“. Wir mussten lernen, auf uns selbst aufzupassen. Heute noch höre ich das „Passt gut auf euch auf“ von meiner Mutter beim Tschüss-Sagen. Haben wir auch gemacht! Denn…den unglaublichen
Spagat zwischen der nicht ungefährlichen „Trümmerromantik“ und dem Tun-und-Lassen-können-was-wir-wollten, den musste man als Kind erst mal hinkriegen. Heim ging’s erst, wenn die Laternen angingen, Uhren hatten wir ja (noch) nicht. Höre ich da gerade ein „Wie deucht mir alles so bekannt“?
Na denn: Herzlich Willkommen im Club!
Zwar sieht man heute etwas verklärt zurück, aber nichtsdestotrotz auch ein wenig sehnsuchtsvoll. Denn…
„Aber schön war es doch
Aber schön war es doch
Und ich möcht' das noch einmal erleben
Dabei weiß ich genau
Dabei weiß ich genau:
So was kann es doch einmal nur geben.“
(Hildegard Knef)
Weiter geht unser Sehnsuchts-Blick ins „Damals war’s- Erinnerungskästchen“. Aber bitte die rosarote Brille aufbehalten.
Kommen wir zur damaligen Ferienzeit, in die wir ja auch gerade hineingehen.
Nur in den 50er lockte Caterina Valente mit „Komm ein bisschen mit nach Italien“ (1955), Freddy Quinn sang schmachtend schön „Die Gitarre und das Meer“ (1959) und Rudi Schuricke machte neugierig auf die untergehende Sonne auf Capri.
Die Sehnsucht nach der Ferne rief immer lauter und …bei denen, die sich’s leisten konnten hieß es bald: „Wir sind dann mal weg!“
Damals war der Weg in die Ferien noch ein echtes Abenteuer. Das Auto gepackt bis unters Dach (und darauf) es mit Kind und Kegel in die Sommerfrische. Ihr erinnert euch? Unangeschnallt und ohne Navi, dafür aber mit einer riesigen Straßenkarte auf den Knien und einem Wackeldackel auf der Hutablage.
Der Sehnsuchtsort unserer Familie hieß Hamburg. Hier wohnte unsere ganze Verwandtschaft. Die Ferienzeit wurde von uns allen sehnsuchtsvoll erwartet. Da der nahe Timmendorfer Strand Hamburgs Hausstrand schon immer war, hatten wir „Meer“ als genug. Die „Capri-Sonne“ dabei (allerdings in flüssiger Form) und das
Kribbeln im Bauch verschafften uns die Ahoj-Brause-Tütchen. Aber spätestens
wenn Freddy Quinn sang: „…denn viel größer als das große Glück hier ist die Sehnsucht, die Sehnsucht nach Zuhaus‘“, begann (nicht nur bei mir) die Freude wieder auf Berlin. Auch der Wackeldackel nickte zustimmend dazu!
„Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben.“ Kurt Tucholski (1890-1935).
So war das schon damals, so ist es heute.
Na gut, der Wackeldackel hat ausgedient und die Sehnsuchtsorte sind exotischer geworden, aber … die Fernsehnsucht und die Ferienfreude, die sind gleich geblieben. Gleich geblieben ist auch die berühmte Frage auf dem Rücksitz während der Fahrt: „Sind wir bald da?“ Fazit: die Zeiten ändern sich, aber nicht die Menschen.
„Früher war alles besser“ ist also nur ein romantischer Trugschluss. Ich jedenfalls bin sehr froh, im Heute zu leben. Trotzdem zu gerne würde ich dem „Damals war’s“ mal einen Besuch machen. Nur ganz kurz, sozusagen eine Stippvisite.
Schon deshalb, weil ich mal wieder mit 20 Pfennigen in eine Telefonzelle gehen oder …in einem Tante-Emma-Laden für 10 Pfennige Kaugummi-Kugel kaufen möchte. Oder nur, um „Onkel Pelle“ mal wieder in Aktion zu erleben. Denn… „Aber schön war es doch, dabei weiß ich genau, so was kann es doch einmal nur geben.“
Übrigens, für mehr Lametta (in unserem Leben) können wir doch alle selbst sorgen. Oder? Dafür hier (m)ein guter Tipp:
Hier hat Anne alle zum Sommerfest der Gemeinde am 4. Juli eingeladen - das war ja nun schon, und hier geht es zu den Bildern von Klaus Böse
Guter Gott, begleite alle, die auf Reisen gehen und schenke ihnen eine behütete, glückliche Zeit. Sei aber genauso auch bei allen, die zu Hause bleiben, und schenke ihnen erholsame und frohe Tage. Halte über uns alle deine schützende Hand. Amen
Gott befohlen!
Ihre/Eure Anne Fränkle"
Kommentare