04/07/2026 0 Kommentare
Andacht zum Monatsspruch Juli 2026
Andacht zum Monatsspruch Juli 2026
# Monatsspruch

Andacht zum Monatsspruch Juli 2026
Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.
Amos 5,24
Recht und Gerechtigkeit sprudeln wie ein Bach durch die Wiese. Bäume sind da, Blumen, Vögel und Fische, Frösche, fettes Gras. Ich sehe das Mühlrad, das, als ich Kind war, ein Sägegatter antrieb: Leben, Kraft, Bewegung. Voller Leben und Begeisterung kamen wir heim (unsere Oma war weniger begeistert, die unsere, nach solchen Exkursionen dreckigen und nassen Hosen nicht immer leise beklagte). Ein Paradies in Gegenden, in denen ein Bach versiegen kann.
In Samaria aber ist alles Recht und jede Gerechtigkeit versiegt. Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei. Der Starke bekommt Recht, die anderen gehen leer aus. Nur eine leise Erinnerung an das Recht ist, dass selbst Politiker, denen nichts heilig ist, was sie hindert, sich auf Recht berufen bei ihren Übergriffen. Menschen hetzen gegen andere – auch sie im Namen der Gerechtigkeit, sie reden nicht von Interessen oder verletztem Stolz. „Recht“ ist ihr Recht (oder das der Gruppe, der sie sich zurechnen), das andere ihnen vorenthalten.
Amos sieht nichts als eine dürre Wiese in Samaria. Wo aber Recht und Gerechtigkeit keine Rolle mehr spielen, ist auch Gott vergessen, der das Recht gegeben hat. Gott aber schaut nicht ewig zu, wie sein Recht als Waffe dient, droht Amos seinen Landsleuten im Norden – können wir glauben, dass unsere Welt anders und nicht gemeint ist?
Alles hoffnungslos? Nur eines Wortes wegen hat Amos sich auf den Weg gemacht: „Vielleicht“: Vielleicht wird Gott das Ende abwenden, wenn sie umkehren (Amos 5,15). Nur in dem „Vielleicht“ unterscheidet sich Amos von Untergangspropheten, nur darin zeigt sich, dass die Menschen ihm lieb sind und er kein Verhängnis ansagt, sondern Strafe. Verhängnis kommt unweigerlich, Strafe aber wird angedroht von einem, den man bitten kann. Dass Gott sich bereden lässt, ist des Amos letzte Hoffnung.
Er lockt mit dem Bild Leben spendenden Wassers:
Mit Gottes Recht wächst, was Menschen mit Gewalt erzwingen wollen: Leben. Miteinander. Eine Welt wie die Wiese meiner Kindheit.
Pfarrer. i.R. Martin Ost
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