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Feriensegen

Blumen, Berge und See

Ein Feriensegen der anderen Art ...

Im übrigen meine ich
Dass Gott unser Herr

Uns einen großen Sommer schenke
Den Familien einen Korb voll Ruhe
Und viele hoffnungsvolle Blicke auf Grün und Blau

Wiesen und Wasser und weiße Strände –

Leise Monate

Dass er das Geschrei aus der Welt nimmt

Und Stille verordnet

Dazu gehört, dass er den Kriegern ihr Handwerk

Aus den Händen nimmt
Und denen, die ohne Arbeit sind die Hoffnungslosigkeit

Und die Mächtigen nicht zu Mafiosi werden lässt
Alle können wir daran mittun und daran arbeiten

Dass das Leben langsamer verläuft
Dass die Welt alle Aufregung verliert
Und die Menschen sich länger ansehen können
Um sich zu sagen: Wir lieben euch!
Gott unser Herr möge diese Stille segnen
Möge diese Stille denen überall in die Ohren blasen
Die unsere Zeit noch schneller machen möchten
Und damit noch kürzer noch atemloser
Gott unser Herr wir bitten dich: Mach es!
Auf dass unser Herz wieder Luft schnappen kann
Unser Auge aufhört zu zappeln
Und unser Ohr wieder richtig hört
Und nicht alles vergisst
Denen die uns dies alles austreiben möchten
Möge Gott der Herr einen Blitz ins Gesäß jagen
Damit sie ihr unmenschliches Tun einsehen
Und die Menschen seines Wohlgefallens in Ruhe lassen
Im wahrhaftigsten Sinn dieses Wortes in Ruhe lassen
Und wir wollen unseren Herrgott abermals bitten
Dieses Ansinnen von uns überall zu segnen
Und weil es sein muss sofort und immerdar!
Danke und Amen. 

Hanns-Dieter Hüsch.

Monatsspruch Juni 2017

Pfingstrose

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Apg 5,29

Pfarrerin Gabriele Helmert:

Liebe Leserinnen und Leser.

Manchmal kommen so herausgeschnittene Bibelworte ziemlich ‚steil’ daher ... Geht Ihnen und Euch das auch so? Schrittweise suche ich nach einem Schlüssel.

Erster Schritt: eine spontanen Umfrage.
Wir warten auf den Bus mit den nächsten 70 Kirchentagsgästen, die in ihrer Gemeinschaftsquartier-Schule hier in Lichterfelde in Empfang genommen und mit allen nötigen Informationen versorgt werden wollen. „In welchem Klassenraum rolle ich meine Iso-Matte und meinen Schlafsack aus?“, „Wo ist die nächste Toilette?“, „Wie komme ich am schnellsten zum Abend der Begegnung?“ ....
Wir Freiwilligen, Menschen zwischen 13 und 63, von evangelisch bis katholisch, alle unterschiedlich in Gemeinde engagiert, mit „Kirche“ groß geworden.
Ich frage also in die Runde: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ - was fällt Dir dazu ein?Fragezeichen in den Blicken, Schweigen, Halbsätze: „Mh. Muss ich mal drüber nachdenken“ oder „Das würde ja heißen, dass ich weiß, was Gott von mir will ...“ oder „Ja, und Vater und Mutter ehren ...“
So unkommentiert und zusammenhangslos klingt der Satz eher unpersönlich, unangenehm-fordernd, erzeugt bei manchen Unbehagen.
Auch für mich hören sich die Worte merkwürdig hohl an.

Zweiter Schritt: Der Blick in die Bibel.
Ich schaue in die Bibel. Wo steht dieser Satz? Wer sagt ihn zu wem?
Und siehe - es ist, als wäre ein Schalter umgelegt worden:
Das unpersönliche „man“ entpuppt sich als Selbstaussage. „Ich, Petrus, kann nicht anders als die Frohe Botschaft zu verbreiten. Auch wenn Ihr vom Hohen Rat das verboten habt, uns auspeitscht, mich und meinen Mitstreiter dafür ins Gefängnis steckt – ich höre nicht auf, von Jesus Christus zu reden, seine Lehren zu predigen.“
Derselbe Petrus, von dem die Passionsgeschichte erzählt, er habe aus Furcht um das eigene Leben Jesus verleugnet, der steht nachösterlich-nachpfingstlich mutig da und sagt: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“

Auf dem gerade zu Ende gegangen Kirchentag gab es für mich immer wieder – virtuell und real - Begegnungen mit Menschen, die Gott mehr gehorcht haben, die Gott mehr gehorchen als den Menschen.
Menschen, die in vielen Jahrhunderten mutig waren, gelebt haben wie Martin Luther oder die Frauen der Reformation.
Menschen, die heute ihrem Gewissen folgen, ihrem Glauben an Gott, den wir Christinnen und Christen drei-in-ein bekennen. Und deshalb in kleinen und großen Dingen konsequent leben - von der regionalen, biologisch und fleischarmen Verpflegung auf dem Kirchentag bis hin zum Einsatz für Flüchtlinge, und das auch unter politischem Druck.
Bin ich als Einzelne, sind wir als Gemeinde immer achtsam dafür, wo wir gefragt sind, einzustehen für Frieden, Versöhnung, Bewahrung der Schöpfung?
Bleibe ich vielleicht zu oft in meiner vertrauten (Kuschel-)Ecke, versuche, niemandem weh zu tun, um mich selber nicht angreifbar zu machen?

Das Bibelwort, das mir am Anfang so steil erschien, erweist sich am Ende als nah, alltagstauglich. Es macht mir Mut, mein Christ-Sein nicht nur auf dem Papier und an Sonntagen, sondern alle Tage zu leben – und das kann auch bedeuten, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen.

Ihre Gabriele Helmert

Monatsspruch Mai 2017

Maiglöckchen

Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt. Kol 4,6

Pfarrerin Gabriele Helmert:

Ostern, das Fest der Auferstehung, liegt hinter uns.
Die Konfirmationen, Himmelfahrt mit dem Evangelischen Kirchentag und Pfingsten folgen. Hoch-Zeiten im Kirchenjahr, Hoch-Zeiten in der Gemeinde, bevor es in die lange „Fest-lose“ Trinitatiszeit geht.

Und in unserem Alle-Tage-Leben (und Er-Leben)?
Da braucht es, dass Ostern immer wieder neu eingeholt wird, um in uns lebendig zu bleiben.

Sicher, jeder Sonntag ist/sollte sein ein kleines Fest der Auferstehung - weswegen wir ja in den christlichen Kirchen an diesem, dem 8. Tag, den Ruhetag Gottes feiern, nicht mehr am Sabbat, dem im biblischen Schöpfungsbericht grundgelegten 7. Tag.
Gleichzeitig ist es ein ebenso spannendes wie lebensförderliches Unterfangen, über den Sonntag hinaus einen alltäglichen Blick für das Wunder der Auferstehung zu entwickeln.

Denn: Auferstehungszeichen finden wir überall - dort, wo sich etwas verändert. Wo etwas neu wird. Wo sich Leben Bahn bricht. Wo Liebe wächst.
Z.B. auf dem Kirchentag mit all den Erfahrungen und Begegnungen, die mir dort geschenkt werden. Und dabei ist es egal, ob ich zu einer der vielen Veranstaltungen gehe, ob ich als Gastgeberin neue Menschen kennenlerne oder ob eine U- oder S-Bahnfahrt zu einem spontanen Mit-Singe-Konzert wird.
Z.B. an einem beliebigen Tag -  an dem ein Jugendlicher im Bus aufsteht und Platz macht für einen Mann mit Krücke;  an dem eine Frau in der meckernden Schlange im Supermarkt die abgehetzte Kassiererin verteidigt und ihr Mut zuspricht; oder an dem die Ehrenamtliche unserer jungen Äthiopierin im Kirchenasyl ein neues tröstliches Wort auf Deutsch vermittelt hat und ein Lächeln davon spricht.

Mitten im Alltagstrott, mitten im belanglosen Reden, mitten im Konflikt, bei jedem kleinen Handgriff kann ich Mini-Auferstehungen erleben.

Und nein, damit wird das große Oster-Geschehen nicht banalisiert.
Im Gegenteil, es bekommt die Chance, in unserem Leben Bedeutung zu bekommen, es bekommt die Chance, unserem Leben Bedeutung zu geben.

Was es dafür braucht ist meine Offenheit und Bereitschaft für diese Deutung. Es braucht einen weiteren Sinn, den ich, wie andere Sinne auch, üben kann. Die Bibelworte, die uns im Monat Mai mitgegeben werden, können dabei Anstoß und Hilfe sein:

„Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt.“ Kol 4,6

Eine freundliche und mit Salz gewürzte Rede, so stelle ich mir vor, bewirkt etwas bei denen, die sie hören, gibt Klarheit, Orientierung, lässt auf den Geschmack kommen, öffnet die Augen für eine neue Sichtweise. Auferstehung!

Dass wir in Paulus immer mehr zu Experten und Expertinnen für diese kleinen und mittleren Auferstehungserfahrungen im Leben werden, das wünsche ich uns von Herzen. Und ich bin sicher: dann wird die große Auferstehung nicht spurlos an uns vorübergehen!

Ihre Gabriele Helmert

Monatsspruch April 2017

Blumenzwiebel
RSSPrint

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. 2. Timotheus 1,7

Pfarrerin Barbara Neubert:

Liebe Leser und Leserinnen,

in den ersten Wochen nach der Amtseinführung des neuen Präsidenten in den USA starrten viele gebannt auf die Nachrichten: Was kommt jetzt? Wird er wirklich alle Menschen ohne Papiere ausweisen? Eine Mauer hochziehen? Die Freundschaft mit den Ländern der EU aufs Spiel setzen? Wie schlimm wird es?
Die Wochen vor der Wahl des/der Nachfolger(s)/in von Präsident Hollande schauen viele gebannt nach Frankreich: Was kommt jetzt? Wie schlimm wird es?
Der Schock des Brexit ist kaum verdaut, das Ausmaß der Veränderungen kaum erfasst. Nationalistische Töne scheinen dadurch lauter zu werden. Und ein Blick auf die Nachrichten aus der Türkei macht es nicht besser. Wohin führt das?

In vielen Gesprächen ist Furcht zu hören, eine gemeinsame Furcht, dass es eigentlich nur schlimmer werden kann und ganz sicher auch wird.
Die Sorge hat mich angesteckt:
Was kommt? Wie wird es? Es ist eine Sorge, die mich wie gelähmt auf jede neue Nachricht schauen ließ. Manche Sorge hat sich als berechtigt herausgestellt. Und Nun? Was können wir als Kirche und Gemeinde dazu sagen, müssen wir dazu sagen?

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“
Recht hast du, Paulus (oder du Schreiber im Namen von Paulus). Der Geist der Furcht hilft nicht weiter; den haben wir auch nicht bekommen. Sondern mit Kraft, Liebe und Besonnenheit werden wir Wege finden. Lasst uns tun, was notwendig ist, lasst uns beharrlich diskutieren und unsere Kirchen offen halten.

Dazu gehört, dass wir als Gemeinde unser Engagement für Geflüchtete fortsetzen. Mit unseren Konfirmanden haben wir die älteste Moschee Berlins besucht, damit sie erleben, wie friedlich und respektvoll der Islam sein kann. Und mit viel Energie wird der Kirchentag vorbereitet. Es ist toll, wie viele aus Paulus fremde Menschen willkommen heißen wollen, ihnen bei sich zu Hause ein Bett anbieten oder in den Gemeinschaftsquartieren helfen.

Wir freuen uns auf die Gespräche und den Austausch, die Diskussionen und den Wind, der mit dem Kirchentag im Mai kommen wird.

Vorher wünsche ich uns allen ein frohes und fröhliches Osterfest.

Ihre Barbara Neubert 

Monatsspruch März 2017

Vor einem grauen Haupt sollst Du aufstehen und die Alten ehren und sollst Dich fürchten vor Deinem Gott; ich bin der Herr.

Levitikus, 19,32

Pfarrerin Gabriele Helmert:

Liebe Leserin, lieber Leser, auwei – mein erster Gedanke – was soll ich mit meinen grauen Haaren denn dazu schreiben?

Schreiben für Sie, unter denen auch manche Ergraute sind? Und das in einer Zeit, in der Jugendliche sich untereinander mit „Ey, Alta, was geht?“ begrüßen und der ältere Herr von der Verkäuferin mit „Was darf‘s sein, junger Mann?“ angesprochen wird?

Dann das Telefonat mit einer Freundin, zwei Jahre jünger als ich, grauhaarig. Sie erzählt von einem Aha-Erlebnis, einem Perspektivwechsel: Auf Grund ihres ehrenamtlichen Engagements ist sie in den letzten Jahren öfter auf den Philippinen gewesen und nahm mit Erstaunen wahr, mit welcher Ehrfurcht ihr und ihrem (grauhäuptigen) Mann begegnet wurde. Dass das mitnichten allein ihrer „Mission“ geschuldet war, konnten sie vielfältig

beobachten. In Familien, in Gruppen, auf der Straße: der Umgang mit der älteren Generation sei vielfach geprägt von zugewandter Ehrerbietung, unaufgeregter Selbstverständlichkeit, von Respekt vor der Lebensleistung der Älteren. Und nein, das habe nichts Zwanghaftes, keinen moraltriefenden Anspruch. Es sei einfach so:

„Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren.“

Möglicherweise haben andere Kulturen Ähnliches übernommen und bewahrt, was Juden- und Christentum in ihrem „Grundbuch“, in ihren Heiligen Schriften von Thora bzw. AT überliefert haben. Und möglicherweise ist diese Aufforderung in der sog. Ersten Welt verschüttet, überlagert von Entwicklungen der Neuzeit, indem Menschen das immer Neue auf ihren Altar stellen / indem w i r das immer Neue auf u n s e r e n Altar stellen?!

In der zum Reformationsjubiläum revidierten Luther-Übersetzung ist das 19. Kapitel im 3. Buch Mose (woher der Monatsspruch stammt) überschrieben mit: „Von der Heiligung des Lebens“. Das ist eine, wie ich finde, sehr ansprechende, dem Leben und den Menschen zugewandte Ansage.

Bleibt die Frage: Was braucht es, dass wir die „Heiligung des Lebens“ wieder als zutiefst zu uns gehörend anerkennen, als lebensförderlich erkennen und leben?

Vielleicht genau dies, den zweiten Teil des Monatspruchs: „Du sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der HERR.“ Das „fürchten“ mag uns erschrecken oder auch abschrecken. Ich übersetze es für mich: Gott, der Herr, ist Herr des Lebens. Wir sind verwiesen auf ihn. Darum gilt ihm unsere Ehrfurcht. Gott ist das Absolute, das Unnennbare, Heilige – und gleichzeitig das, was uns menschlich macht und uns untereinander und aufeinander bezieht. Gott ist die Kraft, die Herz und Augen öffnet für andere, auch für den Schatz des Alters.

Ob blond oder rot, grau oder gefärbt, wir sind dazu berufen, das von Gott geschenkte Leben zu heiligen und Verantwortung dafür zu übernehmen, in unserem persönlichen Umfeld ebenso wie auf der gesellschaftlichen Ebene.

Dass wir dabei immer wieder Gottes Segen spüren, das wünsche ich Ihnen und uns allen.