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Monatsspruch März 2017

RSSPrint

Vor einem grauen Haupt sollst Du aufstehen und die Alten ehren und sollst Dich fürchten vor Deinem Gott; ich bin der Herr.

Levitikus, 19,32

Pfarrerin Gabriele Helmert:

Liebe Leserin, lieber Leser, auwei – mein erster Gedanke – was soll ich mit meinen grauen Haaren denn dazu schreiben?

Schreiben für Sie, unter denen auch manche Ergraute sind? Und das in einer Zeit, in der Jugendliche sich untereinander mit „Ey, Alta, was geht?“ begrüßen und der ältere Herr von der Verkäuferin mit „Was darf‘s sein, junger Mann?“ angesprochen wird?

Dann das Telefonat mit einer Freundin, zwei Jahre jünger als ich, grauhaarig. Sie erzählt von einem Aha-Erlebnis, einem Perspektivwechsel: Auf Grund ihres ehrenamtlichen Engagements ist sie in den letzten Jahren öfter auf den Philippinen gewesen und nahm mit Erstaunen wahr, mit welcher Ehrfurcht ihr und ihrem (grauhäuptigen) Mann begegnet wurde. Dass das mitnichten allein ihrer „Mission“ geschuldet war, konnten sie vielfältig

beobachten. In Familien, in Gruppen, auf der Straße: der Umgang mit der älteren Generation sei vielfach geprägt von zugewandter Ehrerbietung, unaufgeregter Selbstverständlichkeit, von Respekt vor der Lebensleistung der Älteren. Und nein, das habe nichts Zwanghaftes, keinen moraltriefenden Anspruch. Es sei einfach so:

„Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren.“

Möglicherweise haben andere Kulturen Ähnliches übernommen und bewahrt, was Juden- und Christentum in ihrem „Grundbuch“, in ihren Heiligen Schriften von Thora bzw. AT überliefert haben. Und möglicherweise ist diese Aufforderung in der sog. Ersten Welt verschüttet, überlagert von Entwicklungen der Neuzeit, indem Menschen das immer Neue auf ihren Altar stellen / indem w i r das immer Neue auf u n s e r e n Altar stellen?!

In der zum Reformationsjubiläum revidierten Luther-Übersetzung ist das 19. Kapitel im 3. Buch Mose (woher der Monatsspruch stammt) überschrieben mit: „Von der Heiligung des Lebens“. Das ist eine, wie ich finde, sehr ansprechende, dem Leben und den Menschen zugewandte Ansage.

Bleibt die Frage: Was braucht es, dass wir die „Heiligung des Lebens“ wieder als zutiefst zu uns gehörend anerkennen, als lebensförderlich erkennen und leben?

Vielleicht genau dies, den zweiten Teil des Monatspruchs: „Du sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der HERR.“ Das „fürchten“ mag uns erschrecken oder auch abschrecken. Ich übersetze es für mich: Gott, der Herr, ist Herr des Lebens. Wir sind verwiesen auf ihn. Darum gilt ihm unsere Ehrfurcht. Gott ist das Absolute, das Unnennbare, Heilige – und gleichzeitig das, was uns menschlich macht und uns untereinander und aufeinander bezieht. Gott ist die Kraft, die Herz und Augen öffnet für andere, auch für den Schatz des Alters.

Ob blond oder rot, grau oder gefärbt, wir sind dazu berufen, das von Gott geschenkte Leben zu heiligen und Verantwortung dafür zu übernehmen, in unserem persönlichen Umfeld ebenso wie auf der gesellschaftlichen Ebene.

Dass wir dabei immer wieder Gottes Segen spüren, das wünsche ich Ihnen und uns allen.